Marcus Dobberstein

CSO-Sparring statt Training — warum die Arbeit mit der Vertriebsleitung oft das wirksamste Werkzeug ist

Manchmal spart 1:1-Sparring mit dem CSO mehr Trainings ein, als die meisten Vertriebsleitungen für möglich halten. Nicht weil Trainings wirkungslos wären — sondern weil die Signalwirkung der Führung im Vertrieb so massiv ist, dass eine Veränderung an der Spitze das Team oft schneller und tiefer prägt als jeder Workshop am Team selbst.

Eine Bestandsaufnahme aus 20 Jahren Beratungspraxis mit Vertriebsleitungen, Sales Directors und Bereichsvorständen Vertrieb — und ein Plädoyer für eine Reihenfolge, die viele Vertriebsorganisationen zu spät entdecken.

Warum die Signalwirkung der Führung alles trägt

Vertriebsteams lesen ihre Führung dauerhaft. Welche Themen die Vertriebsleitung selbst ernst nimmt, werden ernst genommen. Welche sie delegiert, sind tendenziell unwichtig. Welches Verhalten sie vorlebt, wird zur Norm — unabhängig davon, was im letzten Workshop trainiert wurde.

Das klingt banal, hat aber eine harte Konsequenz: Wer ein Vertriebsteam verändern will, ohne die Führung zu verändern, kämpft gegen ein Klima, das jede Trainingsmaßnahme leise wieder einsammelt. Man kann ein Team auf Value Selling trainieren — wenn die Vertriebsleitung in jedem Forecast-Call nur über Preisrabatte spricht, lernt das Team, was wirklich zählt.

> Insight: Im Vertrieb ist die Führungskraft das wichtigste Trainingsinstrument der Organisation. Was sie lebt, ist nach drei Monaten geübter als alles, was im Workshop besprochen wurde.

Die übliche Ausgangslage

Ein typisches Erstgespräch mit einer Vertriebsleitung oder einem Sales Director beginnt mit einer Beobachtung: Etwas soll besser werden. Die Forecast-Genauigkeit, die Win Rate, die Disziplin in der Pipeline-Pflege, der Umgang mit Preisverhandlungen, die Adaption neuer Produkte, die Akquisitionsleistung. Manchmal ist es konkret, manchmal diffus — aber immer steht ein Veränderungswunsch im Raum.

Der Reflex der Organisation ist dann fast immer derselbe: ein Training. Entweder als Standardprogramm oder maßgeschneidert. Manchmal funktioniert das. Häufig nicht — und zwar nicht, weil das Training schlecht wäre, sondern weil die eigentliche Diagnose nie gestellt wurde.

Was wir im CSO-Sparring tatsächlich tun

CSO-Sparring beginnt nicht mit einer Lösung. Es beginnt mit einer ehrlichen Bestandsaufnahme — auf drei Ebenen gleichzeitig:

  1. Organisationsdynamik. Wie ist der Vertrieb aufgestellt — Strukturen, Vergütung, Tools, Schnittstellen zu Marketing, Service, Produkt? Welche unausgesprochenen Regeln steuern Verhalten? Wo erzeugt das System selbst die Probleme, die das Team ausbaden muss?
  2. Teamdynamik. Wie funktioniert das Team unter Druck? Wo sind die heimlichen Top-Performer, die niemand antastet — und welche Kollateralschäden bringen sie mit? Welche Cliquen, welche Rivalitäten, welche Resignation?
  3. Persönliche Ebene jedes Vertriebsmitarbeitenden. Wo steht jeder Einzelne — fachlich, motivational, biografisch? Wer ist im richtigen Job, wer hat sich überholt, wer ist unterfordert, wem fehlt der nächste Schritt?

Aus dieser Aufnahme entstehen Muster. Die richtigen Schlüsse zu ziehen ist Handwerk und Erfahrungsfrage — und genau dort ist ein Sparringspartner von außen wertvoll, der ähnliche Muster schon in zehn anderen Organisationen gesehen hat.

Warum die Vertriebsleitung selbst Teil der Diagnose ist

Hier kommt der Punkt, an dem klassische Beratung oft endet — und an dem CSO-Sparring eigentlich erst anfängt. Eine ehrliche Diagnose bezieht die Vertriebsleitung selbst mit ein: ihr Rollenverständnis, ihre eigene Geschichte mit dem Vertrieb, das, was sie im Alltag erlebt und was sie persönlich kostet. Welche Themen sind unbequem, welche werden umschifft? Wo wirkt die eigene Biografie als blinder Fleck?

Das ist manchmal anstrengend und gelegentlich schmerzhaft. Aber genau hier liegen die Knoten, die kein Strategie-Workshop löst. Innere Konflikte einer Führungskraft, ungelöste Spannungsfelder im Lead Team, ein verdrängter Konflikt mit dem CEO oder dem Marketing-Pendant — sie sind nicht Beiwerk. Sie sind oft die eigentliche Ursache der Symptome, gegen die das Team vermeintlich antrainiert werden soll.

> Insight: Innere Konflikte und Spannungsfelder der Führung sind keine Störungen der Diagnose. Sie sind die wertvollsten Hinweisgeber.

Was am Ende dabei herauskommt

Wenn dieser Prozess sauber gelaufen ist, sehen die Maßnahmen am Ende oft anders aus als das, was am Anfang im Kopf stand:

  • Statt eines Verkaufstrainings für 30 Mitarbeitende eine Klärung im Lead Team — und ein zielgenaues Coaching-Programm für die fünf, die wirklich den Hebel haben.
  • Statt eines Verhandlungstrainings eine Veränderung der Vergütungslogik — weil das eigentliche Problem nicht Verhandlungstechnik ist, sondern was belohnt wird.
  • Statt eines KI-Enabling-Workshops zuerst eine Klärung der KI-Strategie auf C-Level — weil ein Team nicht KI lernen kann, dessen Führung selbst noch keine Klarheit hat.
  • Statt einer Leistungs-Diskussion ein persönliches Gespräch mit einer Schlüsselfigur, die seit zwei Jahren auf der falschen Position sitzt.

Diese Maßnahmen sind sinnvoller. Sie sind wirksamer. Und sie sind anschlussfähiger — weil sie aus einer richtigen Diagnose kommen, nicht aus einem Trainings-Reflex.

> Insight: Trainings sind nicht das Problem im Vertrieb. Falsche Trainings für die falsche Diagnose sind das Problem.

Wann CSO-Sparring der richtige erste Schritt ist

Ein paar Situationen, in denen 1:1-Sparring der Vertriebsleitung dem klassischen Trainings-Einkauf vorausgeht — und die Investition in das, was danach kommt, deutlich besser schützt:

  • Beim Antritt einer neuen Vertriebsleitung oder Vertriebsdirektion — die ersten 100 Tage bestimmen mehr, als die meisten ahnen.
  • Vor einer Vertriebs-Reorganisation — wer Strukturen ändert, ohne die Dynamik zu verstehen, baut neue Probleme an alten Stellen.
  • Wenn KPIs trotz mehrerer Trainings nicht reagieren — ein klares Signal, dass das Trainings-Werkzeug nicht zum eigentlichen Problem passt.
  • Wenn ein Team stagniert — nicht im Sinne von Leistung, sondern im Sinne von Entwicklung und Energie.
  • Vor einer KI-Initiative im Vertrieb — die fast immer mehr Führungs- als Tool-Frage ist.
  • In Phasen, in denen die Vertriebsleitung selbst unsicher wird — und niemand im Unternehmen der richtige Gesprächspartner ist.

Fazit

CSO-Sparring ist kein Luxusformat für Selbstreflexion. Es ist eine der wirksamsten Formen, eine Vertriebsorganisation zu verändern — vorausgesetzt, beide Seiten arbeiten ernsthaft. Es spart oft mehrere Trainings ein. Es macht die Trainings, die danach kommen, deutlich wirksamer. Und es schützt den größten Hebel, den eine Vertriebsorganisation hat, vor Verschleiß: die Person an der Spitze.

Vertriebsleitungen, die das einmal erlebt haben, gehen seltener in Standard-Trainings — und investieren das eingesparte Budget gezielter dort, wo es wirklich Wirkung entfaltet.

Eine Ergänzung dazu, was Vertriebsleitungen im Alltag selbst beitragen können — und wo der coachende Führungsstil seine Reichweite und seine Grenzen hat: Führungskraft als Coach im Vertrieb.

Marcus Dobberstein, VIAVENDO evolving sales

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Häufige Fragen

Was unterscheidet CSO-Sparring von Vertriebs-Coaching für die ganze Mannschaft? CSO-Sparring fokussiert auf die Vertriebsleitung selbst — Strategie, Rollenverständnis, Wirkung im System. Vertriebs-Coaching für die Mannschaft arbeitet an Skills und Verhalten einzelner Verkäufer. Beide sind sinnvoll. Meistens ist die Reihenfolge entscheidend: erst die Spitze, dann das System, dann die Skills.

Wann lohnt sich Sparring statt Training? Immer dann, wenn unklar ist, was eigentlich trainiert werden soll. Wenn der Reflex "Wir brauchen ein Training" schneller da ist als die Diagnose, ist das ein verlässliches Signal: erst verstehen, dann entscheiden.

Wie läuft CSO-Sparring konkret ab? Ein typisches Setup sind sechs bis zehn Sitzungen über drei bis sechs Monate, ergänzt durch fokussierte Beobachtung im Alltag — Meetings, Kundentermine, Lead-Team-Runden. Zwischen den Sitzungen wird gearbeitet, nicht nur reflektiert. Frequenz und Tiefe richten sich nach Anliegen, nicht nach Standardformat.

Ist CSO-Sparring vertraulich — auch gegenüber CEO und HR? Ja, ohne Ausnahme. Sparring lebt davon, dass auch das gesagt werden darf, was man sonst niemandem im Unternehmen sagt. Inhalte werden weder reportet noch geteilt. Das ist Voraussetzung, kein Add-on.

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Mehr zur Arbeitsweise von VIAVENDO: Über uns. Für ein unverbindliches Erstgespräch zum CSO-Sparring oder zur Vertriebsleitungs-Begleitung: Termin vereinbaren. Ergänzende KI-gestützte Plattform für die Verkaufsmannschaft: sales-coach.ai.

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